Montag, 2. März 2009

Wiedersehen

Mein lieber kleiner Schatz, so oft habe ich Dich vermisst, so oft an Dich gedacht, wenn ich Nachts noch länger wach lag: ich sah sie vor meinen Augen immer wieder abrollen, die schönen Stunden, die wir zusammen verbracht haben vor meiner Abreise, wie wir kindisch im Bett tobten und miteinander rauften, vergnügt jauchzend und an nichts anderes denkend als den Spaß, den wir gemeinsam erlebten. Du hast so ein süßes Lächeln im Gesicht gehabt, Deine dunklen Augen strahlten vor Zufriedenheit.
Dann, wenn wir vom Raufen zu müde wurden, lagst Du auf meiner Brust und hattest Dein Köpfchen an meinen Hals gelegt, da war eine Mulde und es war, als passte es genau hinein und als wäre sie eigentlich für nichts anderes als Deinen Kopf gemacht gewesen. Oft sind wir Beide dann friedlich eingeschlafen, haben kein Wort gesprochen, nur Deine Arme habe ich auf meinen Schultern gespürt und ich habe Dich gehalten und fest an mich gedrückt –„ niemand kann Dich mir nehmen“, habe ich erfüllt von Glück und Liebe gedacht.
Der Abschied hat geschmerzt, auch wenn ich wusste, dass es nur für ein paar Wochen war. Das Gefühl, mehr als 10.000km von Dir getrennt zu sein, wurde mir schon während des Fluges mit jeder Meile, die ich mich weiter von Dir entfernte, unerträglich. Die Sehnsucht wuchs und ich mochte nichts Essen und auch nichts Trinken.
Die dann folgenden Wochen vergingen tagsüber wie im Flug, viel zu viel war zu tun und vermutlich habe ich mich auch Hals über Kopf in die Arbeit gestürzt, weil ich mich einfach ablenken musste und das Gefühl hatte, so ginge die Zeit doch viel schneller vorbei bis wir uns wieder sehen.
Und heute ist der große Tag gekommen, ich bin schon seit den frühen Morgenstunden aufgeregt und weiß, dass Dich der Flieger schon seit Stunden mir immer näher bringt. Fast wäre es, als könnte ich Dich bereits spüren, Dir zärtlich über das Gesichtchen streichen, aber der Bus wird noch ein paar Minuten brauchen, bis ich beim Airport Express angekommen bin. Ich habe im Internet gesehen, dass Du pünktlich landen wirst und nun beginnt der Wettlauf, wer wohl eher in der Central Station eintrifft – keine Frage, schon bin ich aus dem Bus ausgestiegen und gehe auf die Absperrungen zu.
Die letzten Minuten zermürben mich, da kommt bereits wieder ein Zug, aber Du bist noch nicht darin, 10 qualvolle Minuten muss ich jetzt noch warten – was sind sie schon im Vergleich zu den vergangenen 6 Wochen, muss ich unwillkürlich denken und beruhige mich plötzlich, weil die Gewissheit wächst, im nächsten Zug bist Du dabei.
„Ob Du Dich verändert hast ( ? )“, denke ich so bei mir und die Spannung nimmt wieder zu. Ich schaue auf die Uhr und weiß, dass es nur noch 2 Minuten sind, bis der nächste Zug kommt, nein bis Dein Zug kommt, das spüre ich jetzt mit aller Gewissheit, und kaum reiße ich mich von diesem Gedanken los, da fährt der Zug auch schon ein.
In letzter Sekunde überkommt mich der Schalk, und ich verstecke mich hinter einer Anzeigetafel, um Dir aufzulauern, schon geht es durch die Absperrung und ich fliege auf Dich zu, werfe mich stürmisch Dir entgegen, hebe Dich hoch und wirbele Dich herum, einmal, zweimal, dreimal – doch - was ist das?
- Statt mit strahlenden Augen blickst Du mich tränenerfüllt an, ja ich lese Angst darin, fast so, als würdest Du mich nicht wieder erkennen. Mein Herz pocht plötzlich bis zum Hals hinauf, ich könnte vor Ohnmacht hinfallen, darf Dich aber nicht mitreißen, da kommt mir die rettende Idee: auf die nächste Bank setzen wir uns und Du auf meinem Schoss und dann spielen wir unser Liedspiel, da bin ich sicher, dass es Dir den Schrecken meines Überfalls nehmen wird. Schon verändert sich Dein Blick, die Mundwinkel ziehen sich nach oben und ich erkenne ein strahlendes Lächeln und während mir dicke Tropfen aus den Augen kullern, singe ich mit tränenerstickter Stimme noch einmal unser Lied, das uns Beide so unzertrennlich miteinander verbindet:
hoppe, hoppe Reiter,
wenn er fällt, dann schreit er
fällt er in den Graben
dann fressen ihn die Raben …

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